Kühe an die Leine? Nur im Valsertal!

Selbst für Tiroler Verhältnisse besitzt diese Almauffahrt Seltenheitswert. Denn der Großteil der Rinder, die Jahr für Jahr ungefähr ab dem 20. Juni zur Zeischalm im Valsertal auffahren, werden an einem Seil, quasi also an der Leine geführt.

Wieso das, habe  ich mich auch gefragt. Die Antwort ist einigermaßen überraschend. Denn auf die Zeisch führt kein Fahr- oder Forstweg, ja nicht einmal eine Materialseilbahn. Und der Fußweg ist zwar hervorragend gepflegt, verläuft aber teils sehr schmal und ausgesetzt. Zudem führt er an drei Wasserfällen vorbei, die – je nach Wetterlage – schon ordentlich herabrauschen können. Und das ist auch der Hauptgrund, weshalb vor allem Jungtiere quasi an der Leine geführt werden. Denn es ist schon passiert, dass Tiere ob des herabplätschernden Wassers gescheut hatten und über die steil abfallenden Felsen in den Tod gestürzt sind.

Kuh an der Leine
Tiere und Hirten beim Überwinden einer der kritischen Stellen der Almauffahrt auf die Zeisch.

Heuer war der 24. Juni zum Tag der Almauffahrt auserkoren worden. Schon um 5 Uhr begannen die ersten Almbauern gemeinsam mit ihren Tieren den Aufstieg. Immerhin sind etwa 600 Höhenmeter zu überwinden. Für interessierte Zuschauer wie mich ist es immer wieder überraschend, welches Tempo die Tiere beim Aufstieg anschlagen. Aber es ist halt tatsächlich so, dass die Tiere wissen: der Urlaub beginnt. Und da wird halt einfach munter drauflos getrabt.

Zeisch, Almvieh
Bald haben’s die Schecken und ihre Hirten geschafft: der letzte Anstieg auf die Hochweiden der Zeisch beginnt.
Zeischalm
Geschafft: Tiere und HIrten erreichen die Zeischalm.
Hirtenhütte auf der Zeischalm
Die legendäre Hirtenhütte auf der Zeischalm.

Auch für die Bauern ist der Tag etwas Besonderes. Wenn sie ihre insgesamt 50 Tiere auf die Weiden hoch oberhalb des Valsertales – am Fuße der Hohen Kirche – gebracht haben, gibt’s zu Feiern. Alm-Oberhirte Erich Gatt ist denn auch kein Kind von Traurigkeit und lädt Jahr für Jahr zu einem kleinen Imbiss und dem einen oder anderen Gläschen Schnaps. Der Einladung folgen Bauern, Hirten und Treiber gerne.

Almauffahrt Zeischalm
Ein Erinnerungsfoto für den Wipptal-Blog: die Bauern, Hirten und Treiber feiern die gelungene Almauffahrt.

Apropos Erich Gatt: Für viele Wanderer ist er ein wahrer Künstler. Denn seine Steinskulpturen wie die beiden großen „Wächter des Valsertales“ oder den Menhir in der Wildau, einem Plateau oberhalb der Almhütte, sind ganz einfach Kunst. ‚Land-ART‘ um genau zu sein. Seine open-air-Ausstellung wird von den Besuchern des Valsertales gerne besucht.

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