Die Rauhnächte – “Rachn gian” im Wipptal

Die Rauhnächte liegen zwischen Weihnachten am 24. Dezember und dem Dreikönigsfest am 06. Jänner und sind bei uns in Tirol eine besonders mystische Zeit. Schon seit Jahrhunderten wird das Räuchern (wie wir sagen: “Rachn gian”) praktiziert, dessen Ursprung im Aberglauben der Menschen liegt. Mit dem Räuchern versuchte man böse Geister und Energien aus dem Haus zu vertreiben und das Heim zu reinigen.

Auch heute wird im Wipptal dieser Brauch noch von viele Familien am 24.12., am 31.12. und am 05.01. ausgeübt. Sinn und Zweck des Räucherns ist heute wie damals der Schutz von Haus und Hof mit all seinen Bewohnern. Ich möchte hier schildern, wie es bei uns zu Hause abläuft. Gegen Abend um ca. 16:00 oder 17:00 Uhr trifft sich die Familie in der Küche. Die heißen Kohlen werden dann aus dem Holzherd genommen und in die Rauchpfanne geben. Danach kommt Weihrauch drüber und oft auch geweihte, gut riechende Kräuter (von der Weihe am Hohen Frauentag, dem 15.08.).

Heiße Kohlen werden aus dem Holzherd genommen.
Die Rauchpfanne mit den heißen Kohlen.
Weihrauch und/oder gut riechende Kräuter werden über die Kohlen gestreut, damit Rauch entsteht.

Nun geht die Familie mit dem rauchenden Gefäß betend durch alle Räume des Hauses, durch die Ställe und teilweise auch bis zu den Grundstücksgrenzen. Voran geht das Familienoberhaupt (Vater) mit dem Rauchgefäß, gefolgt von einer Person mit dem Weihwasser (meist die Mutter), die anschließend noch alle Zimmer segnet und dem Vorbeter/der Vorbeterin (oft die Großmutter) mit dem Rosenkranz. Alle anderen beten nach und gemeinsam wird in einer Art Prozession von Raum zu Raum gegangen. Nachdem alles geräuchert wurde, werden die Kohlen wieder in den Holzherd gekippt. Wir sitzen danach noch bei Eierlikör und Keksen in der Küche zusammen.

Mit der rauchenden Pfanne wird von Raum zu Raum gegangen.
Anschließend wird jedes Zimmer mit Weihwasser gesegnet.

Beim “Rachn gian” gelten auch gewisse Regeln: Es darf beispielsweise kein Familienmitglied fehlen. Das bringt sonst Unglück oder Tod ins Haus. Es darf auch keine gewaschene Wäsche zum Trocknen im Haus hängen, da sich sonst böse Geister darin verheddern könnten. Man munkelte außerdem, dass in diesen Nächten die Tiere im Stall sprechen könnten. Ob es stimmt oder nicht, kann ich nicht sagen, aber die Regeln werden bis heute noch von vielen befolgt.

Wer diese Tradition nicht mehr praktiziert, kann sich überlegen, es wieder anzufangen. Denn nachher liegt ein sehr angenehmer, weihnachtlicher Duft in der Luft. Und natürlich werden auch die bösen Geister und Energien beseitigt…

 

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