Die schwarze Frau von Padaun

Auf dem Hochplateau Padaun (1.600 m) im Valsertal spielte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine dramatische Beziehungsgeschichte ab. Ein Bild in der Kapelle zum „Blinden Herrgott“ erinnert heute noch daran. Die Hauptrolle spielt Nigana, eine wunderschöne, dunkelhäutige Frau, die einen jungen Bauern aus Padaun mit ihrer leidenschaftlichen Liebe verzaubert hat.

Das Kreuz der Kapelle wurde von einem blinden Gläubigen geschnitzt – daher stammt der Name “zum blinden Herrgott”

Nigana und Hans – eine dramatische Liebesgeschichte
Der Erinnerungstafel zufolge hat es sich zugetragen, dass Johann Prechtl (vulgo Randolfer) aus Padaun, während kaiserlicher Kriegsdienste in Kroatien schwer verletzt, von Zigeunern (eine aus heutiger Sicht diskriminierende Bezeichnung) aufgefunden und gesund gepflegt wurde. In dieser Zeit verliebte er sich in die wunderschöne Nigana und heiratete sie.
Nigana führte jedoch ein wildes, freies Leben, das nicht den Vorstellungen des Johann Prechtl entsprach. Sie verließ den Randolfer immer wieder und als sie einmal für längere Zeit nicht zurückkam, wurde vermutet, dass sie bei einem großen Brand im Nachbardorf ums Leben gekommen sei.

Das ruhig gelegene Hochplateau Padaun war Schauplatz dieser dramatischen Liebesgeschichte

Die Rückkehr nach Padaun
Der Randolfer kehrte daraufhin mit gebrochenem Herzen nach Padaun zurück. Als er sich von seinem Liebeskummer erholt hatte, heiratete er die Atzwangertochter Nanni und bald gebar diese einen Sohn, den sie Hansele nannten. Die drei führten ein friedliches und glückliches Leben bis im Jahr 1807 im Wipptal das Gerede von einer dunkelhäutigen Frau umging, die ganz in Weiß gekleidet sei. Es war Nigana, die beim Brand gerettet worden war und nun auf der Suche nach ihrem Mann war.
Als Nigana ihren Ehemann fand, entschloss sich dieser schweren Herzens, Nanni und Hansele in einer Nacht- und Nebelaktion zurückzulassen und mit Nigana wieder nach Kroatien zu ziehen. Als seine rechtmäßige Ehefrau verlangte Nigana diese Entscheidung von ihm. Die Atzwanger Nanni konnte sich nicht erklären, warum ihr Mann sie ohne ein Abschiedswort verlassen hatte und verfiel in eine tiefe Traurigkeit.

Drama in Kriegswirren
Einige Jahre später, in der Zeit der Tiroler Freiheitskämpfe, kehrte der Randolfer, der für seine Heimat kämpfte, über Südtirol ins Wipptal und schließlich nach Padaun zurück und es gab ein glückliches Wiedersehen mit seiner dortigen Familie. Er musste jedoch nochmals in den Krieg ins Inntal ziehen, während Nigana erneut auf der Suche nach ihm war. Nach vielen Irrwegen kam sie mit einer Gruppe französischer Soldaten bis nahe an den Wallenstein bei Padaun. Dort hatten die Padauner in einer Höhle beim „Blinden Herrgott“ Zuflucht vor den Angreifern gesucht. Durch eine vom Wallenstein aus ausgelöste Sprengung kamen alle französischen Soldaten, und mit ihnen auch Nigana, ums Leben. Ihr Mann bestattete sie am Lueger Friedhof. Im Lueger Kirchl (zwischen Gries und dem Brennerpass) befindet sich heute noch die Grabplatte von Nigana – leider ist der Zugang zur Kirche wegen Steinschlags heute gesperrt.

Tipp:
Bei einer Wanderung am Padauner Plateau gelangt man über eine asphaltierte, ebene Straße bis zu den letzten Höfen (Pflerscher und Larcher). Dort zweigt links ein kleiner Fußweg über eine Wiese zur Holzkapelle „Zum blinden Herrgott“ ab. Im Inneren der Kapelle hängt eine Erinnerungstafel mit der Kurzfassung der Geschichte von der „Schwarzen Frau von Padaun“. Ein Blick in die Kapelle lohnt sich auch wegen der bemerkenswerten Jesusfigur am Kreuz, die von einem blinden Künstler geschnitzt wurde. Die Kapelle gilt daher auch als Wallfahrtsstätte für Blinde und Sehbehinderte.

Die Erinnerungstafel im Inneren der Kapelle Blinder Herrgott in Padaun
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Kategorie : Bergleben