Die Wiedergeburt der Rumlich-Kapelle

Sie war schon immer weitum sichtbar: die Rumlich-Kapelle zu St. Jodok, auch die „Kapelle des Herrn im Elend“ genannt. Jahrelang rottete sie vor sich hin. Kurz vor dem völligen Verfall des kleinen Juwels nahm sich ein Mann der kleinen Kirche an, der für seine Tatkraft weit über das Valser- und Schmirntal hinaus bekannt ist: Erich Gatt. Drei Jahre später wird für ihn ein Traum wahr.

500 Besucher bei der Kapellen-Einweihung

Erich, seine Familie und viele seiner Freunde schafften etwas, was heutzutage gar nicht mehr selbstverständlich ist: Unter großem persönlichen Einsatz und unter Einsatz beträchtlicher finanzieller Mittel zogen sie die Sanierung dieses kleinen Juwels durch. Am 21. Mai lud man nun zur Feier der Wiedergeburt dieses Kulturdenkmales. 500 Menschen folgten seiner Einladung und erwiesen der Familie Gatt und deren Freunden damit ihre Referenz.

Rumlichkapelle Einweihung
Die Einweihung der Rumlichkapelle wurde zu einem richtigen Volksfest, an dem rund 500 Personen teilnahmen.

Dass die Kapelle nicht den Weg alles Irdischen gehen musste, feierten die Besuchern des Festaktes denn auch gebührend. Erich ‚Simeler‘ Gatt folgte “eigentlich nur der Bitte einer ‚Patriotin‘”, wie er es ausdrückt. Sie hatte ihn gebeten, sich doch um die beliebte und viel besuchte Kapelle zu kümmern. Das Dach war bereits löchrig, das Mauerwerk feucht und der Dachstuhl moderte vor sich hin. Es traf sich auch prächtig, dass Erich gerade dabei war in Pension zu gehen.

Also verhandelte er umgehend mit dem Besitzer der Kapelle, die einst zum sogenannten „Kruag-Hof“, heute Nr. 95 in der Schmirner Leite, gehörte. Der Besitzer, Lambert Hörtnagl, überschrieb sie 2014 Erich Gatt im Rahmen einer Schenkung.

Gemeinsam mit seinen Söhnen begann er zuerst einmal damit, „Unmengen von Schutt und Steinen aus dem Inneren der Kapelle zu beseitigen. Wir haben ca. 1 m ausgehoben“, so Erich im Rückblick. Denn vorher war an eine Kapellensanierung nicht zu denken, mussten doch die völlig durchnässten Mauern des kleinen Gebäudes zuallererst getrocknet werden.

Für die Kapelle wurde eine eigene Glocke gegossen

Nun begann eine Renovierung, die es in sich hatte: Der Boden wurde betoniert und die frisch polierten Platten aus Valser Marmor wieder verlegt. Dann musste die Fassade innen wie außen verputzt, der Dachstuhl erneuert und die Dachschindeln verlegt werden. Zuguterletzt wurde der Glockenturm montiert und verputzt. Soweit so gut. Über eine Glocke hatte die alte Kapelle aber nicht verfügt. Also wandte sich Erich an die berühmte Innsbrucker Glockengießerei Grassmayr: Für die Rumlich-Kapelle wurde ein eigenes Glöckchen gegossen. Welch gute Entscheidung das war kann man nun im Valsertal hören: der Ton der Glocke ist hell und rein. Ich glaube sogar, dass sie weit ins Valsertal und ins Schmirntal hinein zu hören ist. (Auf meinem Video unterhalb dieses Textes könnt ihr euch von der Klangreinheit des Glöckchens überzeugen.)

Die Inneneinrichtung der Kapelle ist – ich sage das ohne Übertreibung – einmalig. Der „Herr im Elend“, eine mehr als mannshohe Figur des leidenden Christus wurde sehr einfühlsam restauriert. Diese lebensgroße Skulptur wird von zwei Figuren flankiert, die Karl Gatt, also Erichs Bruder, geschnitzt worden sind: der Heilige Isidor und der Heilige Jodok. Karl war auch verantwortlich für die filigranen Schnitzereien an den beiden kleinen Gebetsstühlen.

Der "Herr im Elend" der Rumlich-Kapelle
Der “Herr im Elend”, die zentrale Skulptur der Rumlich-Kapelle, flankiert von Darstellungen des Heiligen Isidor (links) und des Heiligen Jodok aus der Hand von Karl Gatt. Angeblich geht die Figur des leidenden Christus auf eine Idee zurück, die ein einstiger Ritter auf Schloss Aufenstein hatte. Er sah bei einem Jerusalembesuch eine ähnliche Statue und ließ darauf eine ähnliche für die Pfarrkirche in Matrei anfertigen.

Zudem zieren das Bild „Himmel und Hölle“ sowie das Relief einer gegossenen Krippe (es ist die Spende eines Innsbrucker Künstlers) den Innenraum. Natürlich darf auch der Heilige Geist an der Kapellendecke – er stammt aus Medjugorje – und ein Opferstock nicht fehlen. In einer Nische auf der Südostseite der Kapelle hat der Mineraliensucher Markus Schlemmer einige seiner wunderschönen Kristalle verarbeitet.

Wie einfühlsam diese Kapelle renoviert wurde sieht man auch an den äußeren Holzverkleidungen, ja sogar an den Dachrinnen. Mir hat es ein Spruch angetan, der gleichsam für das Werk steht: „Drinnen steht der Schmerzensmann und zieht die frommen Herzen an.“

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