Es klappert die Mühle…

…am rauschenden Bach. Mühlen erzählen von vergangenen Mühen des bäuerlichen Lebens. Sie erzählen jedoch auch von Zeiten, in denen man noch Brot aus dem eigenen Getreide gebacken hat, Kleidung aus dem selbst angebauten Hanf hergestellt hat und niemand ahnte, dass man all diese Dinge irgendwann nur noch kaufen wird. Der Tiroler Hans Glatzl ist Landessprecher der Österreichischen Mühlengesellschaft und hat sich mit besonders interessanten Wipptaler Mühlen intensiv beschäftigt, zum Beispiel der Schmirner „Schnattermühle“.

Die letzte Stockmühle Nordtirols 
Stockmühlen, deren Besonderheit darin liegt, dass sie mittels horizontaler Wasserräder angetrieben werden, waren früher im Alpenraum weit verbreitet. Im Tessin, Wallis, Graubünden, in Kärnten und auch in Süd-, Ost- und in seltenen Fällen auch in Nordtirol war diese Mühlenart zu finden. Die in diesen Mühlen verwendeten Stockräder sind – im Gegensatz zu Mühlen mit vertikalen Wasserrädern – von außen am Mühlengebäude nicht sichtbar. Sie befinden sich unterhalb des Mühlengebäudes und werden durch die Stoßkraft des Wassers auf die Schaufeln des Horizontalrades angetrieben. Das Wasser wird dabei durch ein Gerinne der Mühle zugeführt und mündet unmittelbar vor der Mühle entweder in ein Druckrohr oder in eine Schußrinne, das schräg nach unten unter der Mühle auf die Schaufeln des Stockrades führt.

Platz vor der Stockmühle in Schmirn
Platz vor der Stockmühle in Schmirn

Im Bergsteigerdorf Schmirn steht die letzte Stockmühle Nordtirols, die so genannte „Obere Schnattermühle“. Sie befindet sich heute neben dem Alpenblumengarten im Ortsteil Toldern. Durch den Bau einer Umfahrungsstraße wurde die Mühle im vorigen Jahrhundert von ihrem Wasserlauf abgeschnitten und war dem Verfall preisgegeben. Einige Interessenten setzten sich dafür ein, dass die Mühle abgetragen und an einem anderen, geeigneten Standpunkt originalgetreu wieder aufgebaut wurde. Durch ein neu errichtetes Holzkastengerinne wird für die Wasserzufuhr aus dem Kluppenbach gesorgt, sodass der Betrieb der Mühle wieder möglich ist. Das Mahlrecht war ursprünglich auf 10 umliegende Höfe verteilt, das genaue Alter der Mühle ist nicht bekannt, am Türstock ist jedoch die Jahreszahl 1899 eingekerbt, auf dem Mahlgang befindet sich allerdings die Jahreszahl 1839.

Mahlstube Schnattermuehle
Mahlstube der Schnattermühle in Schmirn

2020 und 2021 wurde die Mühle vom Wirt des Gasthofs Olpererblick, Georg Früh, und dem Thresner-Bauern Sigfried Muigg neuerlich restauriert. Die Tür der Mühle steht für Interessierte immer offen, eine Informationstafel an der Außenfassade gibt Auskunft über die Funktionsweise der Stockmühle.

Ein ganzes Mühlendorf in Gschnitz
Am Talende des Gschnitztales befindet sich unterhalb des imposanten Sandeswasserfalls ein ganzes Mühlendorf. An diesem malerischen Ort wurden verschiedene Mühlengebäude aus dem Tal entlang des Sandesbachs teilweise mit Originalbauteilen und teilweise im Nachbau zum Mühlendorf zusammengefügt. In diesem Freilichtmuseum werden die alten Traditionen des Mehlmahlens, Spinnens und Backens wieder zu neuem Leben erweckt. Die alten Sagen, Geschichten und Legenden des Gschnitztales, die in einer der Mühlen erzählt werden, begeistern vor allem die kleinen Besucher.

Das Mühlendorf in Gschnitz
Das Mühlendorf im Bergsteigerdorf Gschnitz

Tipp: Im Mühlendorf laden der gemütliche Kiosk und ein schöner Wasserspielplatz zum Jausnen und Verweilen ein. Jeden Donnerstag um 11:00 Uhr gibt es für Gäste mit Gästekarte eine kostenlose Führung (mehr erfahren) und im großen Backofen wird mittags Brot gebacken, das dann zum Verkauf angeboten wird. Diesen Sommer gibt es außerdem eine Ausstellung zur Alpingeschichte Gschnitztal zu sehen.

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