Kräuterweihe und “Räuchernächte”

Am katholischen Feiertag „Maria Himmelfahrt“ am 15. August werden in sämtlichen Pfarrgemeinden Tirols Heilkräuter und Blumen geweiht, die dann in den Räuchernächten um die Weihnachtsfeiertage Verwendung finden. In Schmirn ist aufgrund der Höhenlage und der späteren Reife der Pflanzen diese Weihe erst am „Kleinen Frauentag“, dem 8. September.
Rosa Auer, Krobasbäuerin in Schmirn, kennt sich mit den Weihekräutern bestens aus. Sie ist es auch, die den Bereich, in dem diese Kräuter und Blumen im Alpenblumengarten Schmirn wachsen, mit viel Liebe betreut.

Rosa Auer
Rosa Auer aus Schmirn

Interesse für Blumen und Kräuter bereits von Jugend an
Schon in ihrer frühen Kindheit hatte Rosa einen besonderen Bezug zu Blumen, Kräutern und auch regionalem Gemüse. In Erinnerung schwelgend erzählt sie von den kalten Wintermonaten in Schmirn, in denen es kein Gemüse außer Kartoffeln und Sauerkraut gab. Sehnsüchtig erwarteten alle den Frühling, in dem man die erste Kresse und die ersten Radieschen ernten konnte.
Rosa, aufgewachsen beim „Thresnerhof“ in Schmirn heiratet 1968 zum nahe gelegenen ‚Krobashof‘, der seit 1683 ein Erbhof ist. Vier Kinder machten das bäuerliche Familienglück komplett. Als diese selbständig wurden, machte Rosa eine Ausbildung zur Seminarbäuerin und hielt Kurse und Vorträge über Landwirtschaft und bäuerliche Küche. Auch in diversen Schulen unterrichtete Rosa in begeisternder und humorvoller Weise, war doch ihr ursprünglicher Berufswunsch, Lehrerin zu werden.

Der Weihegarten
Rosas Bereich im Alpenblumengarten Schmirn dreht sich um den Weihegarten (Bild: Rolf-Peter Weber)

 

Rosas Bauerngarten
Natürlich legte Rosa bereits in jungen Jahren neben ihrem Hof einen Bauerngarten für Gemüse, Kräuter und Blumen an, der mit den Jahren wuchs. In ihrem Garten befinden sich heute auch fast alle Weihekräuter, z.B. Pfefferminze, Rainfarn, Maggikraut, Kamille, Wermut, Dost und Salbei.

Kamille
Kamille aus dem Bauerngarten

Außerdem hat Rosa natürlich auch die beliebten Weiheblumen Mariensterne, Schneebällchen, Löwenmäulchen und Bauerndalien in ihrem Garten angepflanzt, weil sie diese an ihre Kindheit und an das Elternhaus erinnerten. Darüber hinaus holt sie öfters Schafgarbe und Königskerze von den umliegenden Feldern. Auf die Frage, was denn Rosas Lieblingsblume sei, antwortet sie:“ Ich habe keine. Jede noch so kleine Blume ist in ihrer Konstruktion und Fortpflanzungsmethode ein Wunder der Natur.“

Blumen aus dem Bauerngarten
Neben Kräutern sind auch Blumen im Bauergarten ein wichtiger Bestandteil

Weihekräuter und ihre Verwendung
Rosa erklärt, dass die Weihekräuter in ihrer Kombination geschätzt werden, wobei jedoch auch jedes einzelne Bergkraut eine eigene Heilwirkung hat: Die Pfefferminze, Kamille und Ringelblume haben eine heilende, entzündungshemmende Wirkung und entwickeln nebenbei einen angenehmen Duft. Außerdem gehört in jedes Weihekörbchen auch Rainfarn, Maggikraut und Wermut. Andere Kräuter können je nach Verfügbarkeit hinzugelegt werden, z.B. Dost, Salbei, Schafgarbe oder Quendel. Nach der Weihe lässt die Bäuerin die Kräuter auf einem Papier ausgebreitet, möglichst lichtarm trocknen. Sie werden dann in einem Körbchen oder Papiersack aufbewahrt.

Körbchen mit Kräuter bereit für die Weihe in der Kirche
Körbchen mit Kräuter bereit für die Weihe in der Kirche

Räuchernächte
Geräuchert (im Volksmund „rachen gian“) wird in Tirol traditionellerweise am Weihnachtsabend (24.12.), zu Silvester (31.12.) und dem Abend vor dem Dreikönigstag (05.01.). Vermischt mit Weihrauch ergeben die Weihekräuter einen angenehmen Duft, der das ganze Haus und den Stall erfüllt, da in jedem Wohn- und Wirtschaftstraum geräuchert wird.

Die Rauchpfanne mit den heißen Kohlen – fehlen nur noch die Kräuter.

Die Kräuter, die Rosa für die Weihe verwendet, erfüllen aber auch andere Zwecke. Pfefferminze, Salbei und Kamille werden als Tee verwendet. Bei einer Grippewelle wird Rainfarn gemeinsam mit Wacholderbeeren auf der Herdplatte erwärmt um die Luft im Haus zu sterilisieren. Rainfarnsäckchen werden in den Kleiderkasten als Mottenschutz ausgelegt und Maggikraut ist nach wie vor eine gute Suppenwürze. Schafgarbe und Rainfarn ergeben zusammen mit Mohnkapseln schöne Trockensträuße. Den Tieren mischt man vor dem Almauftrieb ein wenig “Weiche” unter das Futter. Außerdem werden bei Unwetter einige Zweige der Weiche gemeinsam mit der Palmrute im Feuer verbrannt. Die Bäuerin meint augenzwinkernd, dass diese Tradition aber eher nur eine psychologische Wirkung hat.

Tipp: Schauen Sie vorbei im Alpenblumengarten in Schmirn und werfen Sie einen Blick auf Rosas Bereich, den “Weihegarten”. Hier geht’s zur interaktiven Karte mit Infos zum Alpenblumengarten. 

Kräuterbeschreibung
Im Alpenblumengarten in Schmirn findet man für die Region typische Kräuter und Blumen
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