Sagenumwobenes Wipptal

In allen Tälern Tirols existieren alte Sagen und Erzählungen, die von Generation zu Generation weitergeben werden.
Im Wipptal gibt es auch ganz spezielle Sagen, die Phänomene oder lokale Begebenheiten erklären. Sie haben oft eine Verbindung zu einem Berg oder einem Naturschauspiel. Eines haben die meisten gemeinsam: sie sollen den Menschen einen respektvollen Umgang miteinander und mit der Natur lehren und ihnen bei Missachtung dieser Grundsätze auch die Strafe vor Augen halten.
Wir möchten eine dieser Geschichten erzählen.

Der Bergriese und der Bergkönig (Illustration Carl Felder)

Der Berggeist vom Tribulaun
In der Gegend des Tribulaun wird vom geizigen und habgierigen Bergkönig erzählt, dem einst alles Land und alle Berge Untertan gewesen sind. Noch drohte nicht die Felswildnis des Tribulaun in der gleichen zerrissenen Form wie heute, sondern an Stelle der Felsen dehnten sich fruchtbare Almen und grüne Bergmatten und Wälder aus. Aber der Bergkönig war so geizig und habgierig, dass er die armen Bauern und Bergknappen misshandelte und bis aufs Blut ausnützte.
Dann ist es geschehen, dass einmal ein Bäuerlein in seiner Angst dem Bergkönig entfloh und immer höher und höher in die Berge kam, um dem grausamen Verfolger zu entrinnen. Da aber erschien plötzlich der alte Bergriese, der am Tribulaun Wacht hielt und wies den geizigen Bergkönig zurecht, er solle seinen goldenen Popanz wegwerfen und aufgeben.
Aber der Bergkönig wandte sich ab und wollte dem Riesen wieder entfliehen und hetzte dem Bauern weiter nach. Da schlug der Riese mit der Faust auf den Gipfel des Tribulaun, dass er sich spaltete und heute noch doppelgipflig ist. In dieses Loch hinein flüchtete sich das Bäuerlein, während der geizige König fliehen wollte, aber der Alte hatte ihn in einen Felszacken verwandelt, der heute noch zu sehen ist: das Goldkappl.
Und immer noch trägt der geizige König seinen goldenen Popanz, wohl das Sinnbild seines Reichtums und seines Geizes, bei sich. Auf dem Tribulaun sind Wünschelruten, wie die Sage erzählt, und wer Glück hat wird einst den goldenen Schatz finden.

Gipfelpanorama von der Gargglerin mit Ausblick auf den Gschnitzer und Pflerscher Tribulaun


Aus dem Buch „Eine sagenhaft historische Wanderung durch das Gschnitztal“ von Martina Pranger, nach Hermann Holzmann „Wipptaler Heimatsagen“.

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