Was bringt eine Mitgliedschaft bei den Österreichischen Bergsteigerdörfern?

Seit fast 4 Jahren ist St. Jodok mit dem Schmirn- und Valsertal Mitglied bei den Österreichischen Bergsteigerdörfern. Welchen Mehrwert kann eine touristisch wenig erschlossene Region aus dieser Mitgliedschaft ziehen?

Diese Frage habe ich mir gestellt, nachdem im Herbst diesen Jahres die letzte vom Alpenverein vorgegebene „Hürde“ im Zuge der „sanften“ Vermarktungskampagne zu nehmen ist – die Buchpräsentation der Alpingeschichte, die am 03.09.2016 im Mehrzwecksaal in Schmirn im Rahmen einer kleinen Feierlichkeit stattfinden wird.

Gerne habe ich die Aufgabe übernommen, dieses Büchlein zu schreiben und bin dabei auf viele interessante, historische „Gschichtln“ aus meiner Heimat gestoßen, die nicht alle aus dem Alpinismus stammen, sondern auch aus dem täglichen Leben der Bauern und Almer, Hüttenwirte und Gastwirte. Dabei bin ich zum Schluss gekommen, dass die Bergsteigerdörfer – mittlerweile gibt es 20 in Österreich und seit heuer eines in Bayern – genau die passende Plattform sind, um die seit Beginn des Tourismus Anfang des 20. Jahrhunderts stark vom Alpinismus geprägten östlichen Seitentäler des Wipptales dort zu positionieren, wo sie hingehören.

Wipptal Padaun im Herbst
Padaun im Bergsteigerdorf Valsertal

Die Initiative Bergsteigerdörfer spricht einen umweltbewussten Gast an, für den das Hauptkriterium für eine Urlaubsbuchung eine landschaftlich reizvolle Berg- und Wanderregion ist, die vom Massentourismus und von der Technisierung unberührt geblieben ist. Täler und Orte also, in denen alles etwas langsamer und beschaulicher abläuft, der Tourismus nicht den Aufschwung erlebte, der so manches Gletschertal in den letzten Jahrzehnten zu dem gemacht hat, was es heute ist. Und tatsächlich, es gibt sie, diese Zielgruppe, der ein gutes Bergwegenetz und ein paar urige Dorfgasthöfe sowie Almen und Hütten mit einem ehrlichen Angebot an regionalen Produkten lieber sind, als überfüllte Après-Ski-Lokale und Wellnesstempel.

Perfekt in das Angebot eines Bergsteigerdorfes passt natürlich der 2012 erbaute “Peter-Kofler-Klettersteig” in der Stafflacher Wand bei St. Jodok, der durch seine leichte Erreichbarkeit punktet (15 Min. Aufstiegszeit ab Bahnhof St. Jodok).

Wipptal Bergsteigerdorf St. Jodok Klettersteig
Klettersteig in der Stafflacher Wand bei St. Jodok

Durch die gemeinsame Vermarktung und natürlich durch die Patronanz des Alpenvereins konnten die Bergsteigerdörfer touristisch profitieren. Die Mitgliedsbetriebe, die sich übrigens verpflichten, Alpenvereinsmitgliedern 10 % Ermäßigung auf die Übernachtung zu gewähren, bieten dem Alpingast ein Angebot, das seinen Bedürfnissen entspricht,  z.B. eine Alpinbibliothek,  frühes Frühstück für Berg- und Skitourengeher oder die Vermittlung eines Bergführers.

Die Nächtigungszahlen sprechen eine eindeutige Sprache: von 2012 bis 2015 konnte insgesamt ein Plus von ca. 9 % in den Mitgliedsbetrieben verzeichnet werden. Mich freut es ganz besonders, dass die Gemeinden Schmirn und Vals nach der Aufnahme bei den Genussregionen Österreichs im Jahr 2007 mit dem Produkt “Tiroler Grauvieh Almochs” einen neuerlichen Weg gefunden haben, sich gemeinsam für eine Sache stark zu machen.

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