Altes Wissen – neuer Kurs: Alpenblumen & Bergkräuter

Im Rahmen der “Schule der Alm”, wo es bereits Almkurse im Valsertal gibt, werden nun auch Kräuterkurse im revitalisierten Alpenblumen- und Kräutergarten im Bergsteigerdorf Schmirn organisiert. Ein Ziel des Vereins ist unter anderem die Erhaltung der Alm- und Bergwiesen im Wipptal. Genau auf diesen Bergwiesen wachsen spezielle Alpenblumen und Wildkräuter – eine einzigartige “Apotheke”, die es gilt zu erhalten und die im Alpenblumengarten veranschaulicht wird. Die Kräuterpädagogin Elisabeth Mayr betreut die Kurse und gibt ihr Wissen über Alpenpflanzen und ihre Verarbeitung weiter. Ich besuchte sie im Sommer dort, um mir ein Bild vom “Kursort” zu machen und mit ihr über die neuen Kurse zu reden.

Auf dem Weg hinein ins Schmirntal bin ich immer wieder aufs Neue fasziniert von der dortigen Natur- und Kulturlandschaft: gepflegte Felder und Blumenwiesen am Talboden, kleine Weiler mit sonnenverbrannten, traditionellen Bauernhöfen und im Hintergrund über den Wäldern stolz aufragende Berggipfel.

 

Das Bergsteigerdorf Schmirn mit traditionellen Höfen und der Dorfkirche

 

Allein die Talschlüsse von Schmirn in Kasern und Toldern sind eine Augenweide. Man kann regelrecht spüren, dass die Schmirner stolz auf ihr Tal sind und auch darauf, zum elitären Kreis der „Bergsteigerdörfer“ der alpinen Vereine zu gehören.

Talschluss in Kasern mit blühenden Wiesen, Schmirn

Eine Herzensangelegenheit 
Beim Gasthaus Olpererblick – der Name wird dem Haus übrigens auch gerecht – treffe ich die Wirtin Kati Früh. Ihrer Familie gehört der neu hergerichtete Alpenblumengarten und sie wird die KursteilnehmerInnen mit regionalen Spezialitäten aus dem Wipptal – vom Bergfrühstück bis zum Abendessen – verköstigen. Außerdem stellt sie im Erdgeschoss des Gasthauses eine eigene „Kräuterwerkstatt“ für die Kurse zur Verfügung. Von der Idee mit den Kräuterkursen war sie von Anfang an begeistert und jetzt mit voller Freude bei den Vorbereitungen. Gemeinsam gehen wir die ca. 200 m vom Gasthaus zum Garten, vorbei an einer alten Stockmühle und über eine Brücke und den tosenden Schmirner Bach. Sie erzählt mir voller Stolz, wie im Frühjahr 2020 mithilfe von freiwilligen HelferInnen der in die Jahre gekommene Kräutergarten revitalisiert und umgestaltet worden ist. Jetzt gibt es für die unterschiedlichen Bereiche – Schnapsgartl, Stoangartl, Beerengartl, Heilkräutergartl, Bauerngartl und ganz speziell das Weihegartl – 18 Patinnen und Paten aus Schmirn, darunter sogar 5 Kinder. Sie werden in Zukunft mithelfen, den großen Bereich zu pflegen. Mehr dazu in diesem Blog: Blühende Pracht – heilende Kraft

Kati Früh im Garten
Die Wirtin Kati Früh vom Gasthaus Olpererblick im Alpenblumengarten in Schmirn (c) Werner Kräutler

 

Bauerngartl
Im Bauerngarten werden alte Kartoffelsorten und auch Gemüse angebaut

Wertvolles Wissen weitergeben
Im Alpenblumengarten – abgegrenzt von der umliegenden Wiese mit einem traditionellen Schrägezaun – angekommen, treffen wir auf Elisabeth Mayr oder Elli – wie sie gern genannt wird. Sie ist gerade fleißig beim Jäten ihres Bereichs, dem „Heilkräutergartl“. Die ausgebildete Kräuterpädagogin wird die Leitung des neuen Kräuterkurses übernehmen und freut sich, wenn sie ihr Wissen über Heilkräuter weitergeben kann. Denn was wäre der schönste Kräutergarten, wenn man die dort wachsenden meist wohlriechenden Pflanzen nicht für die Hausapotheke oder die Küche verwenden würde? Bevor sie 2014 die Möglichkeit fand, eine Ausbildung zur Kräuterpädagogin zu machen, hatte sie sich schon sehr lange in verschiedener Form mit Pflanzen beschäftigt, ob im Garten ihrer Großeltern, beim Spazierengehen mit ihrer Mutter, später als Hausmittel für die Kinder und im eigenen Garten. Die Leitung der Kräuterkurse hat sie mit Freude angenommen, vor allem auch weil ihr die herzliche und offene Art von Kati sowie ihre Begeisterung für das Projekt sehr gut gefallen hat.

Elli Mayr
Elisabeth – oder Elli – Mayr, Kräuterpädagogin und Kursleiterin (c) Werner Kräutler

Individuelle Betreuung durch Kleingruppen
Elli ist schon gespannt auf die TeilnehmerInnen des 3-tägigen Kräuter- und Gartenkurses. Die Organisation in Kleingruppen ermöglicht eine individuelle Betreuung und viel Zeit für Fragen und Antworten. “Ich möchte den genauen Inhalt gerne an das eventuell bereits vorhandene Wissen der Gruppe anpassen. Wenn z.B. schon alle selber Ringelblumensalbe machen, werden wir natürlich was anderes herstellen”, erklärt die Kräuterpädagogin. Es gibt beim Kräuterkurs Termine im Juni und im September, daher möchte ich wissen, ob hier die Inhalte dieselben bleiben. Elli meint, es wird nur kleine Unterschiede geben. So wird im Frühjahr natürlich einiges wieder neu gepflanzt und im Herbst mehr geerntet. Außerdem muss der Kurs immer dem Wetter anpasst werden.

Blühende Blumen
Ringelblumen, Zitronenmelisse, Rainfarn und vieles mehr blüht im Garten (c) Werner Kräutler

 

Schatzkasten von Elli
Blick in den “Schatzkasten” der Kräuterpädagogin (c) Elisabeth Mayr

Ich frage Elli um ein paar Beispiele, was dann produziert oder angesetzt wird im Kurs. Sie erklärt mir, dass neben leckeren Fichtenwipfel oder Löwenzahnhonig auch Kräutersalze, Tinkturen, Salben, Pestos und verschiedene Öle oder Essige aus den Gartenprodukten gemacht werden. Sie gibt mir gleich das Rezept für einen würzigen “Zwiebelessig” mit, den man aus den Blüten- bzw. Samenkugeln von Zwiebeln oder Lauch ansetzen kann:

Rezept Zwiebel- oder Lauchessig:
Einfach eine Kugel oder die einzelnen Blütchen von Zwiebel oder Lauch abschneiden, in ein verschließbares Gefäß geben und mit einem Essig der Wahl oder einem guten Öl aufgießen. 3/4 vom Glas soll Essig sein, 1/4 ca. Blüten. Gut verschließen, im warmen Zimmer, aber nicht in der Sonne, aufstellen und täglich schütteln. So fängt es nicht an zu schimmeln und die Aromen können sich gut verteilen. Nach 3 Wochen ist der Essig dann fertig. Die Blüten müssen nicht entfernt werden. Sieht in einer Glasflasche sehr dekorativ aus und ist ein tolles Geschenk.

Zwiebelblüten in Kugeln (c) Elisabeth Mayr

 

Zwiebelessig
So sieht er aus, der Zwiebelessig in Flaschen (c) Elisabeth Mayr

Mehr als nur ein Kurs
Beim Gespräch im blühenden und duftenden Alpenblumengarten mit dem tollen Ausblick auf den imposanten Olperer, bekomme ich richtig Lust, selbst am Kurs teilzunehmen. Das Angebot ist eine schöne Kombination aus etwas Gartenarbeit in der frischen Luft im einmaligen Ambiente der Gebirgslandschaft, von theoretischen Wissenstransfer und praktischen Verarbeitungsprozessen. Da die Kurse ja nur bis Nachmittag dauern, haben die TeilnehmerInnen noch Zeit für schöne Spaziergänge, Wanderungen oder Radtouren (wenn man sein Rad mitbringt). “Jedenfalls eignen sich diese Tage im Bergsteigerdorf bestimmt, um den hektischen Alltag einmal hinter sich zu lassen und viele schöne Eindrücke sowie Anregungen mit nach Hause zu nehmen. Ich kann nur empfehlen noch einige Tage Urlaub anzuhängen, denn auch die Nachbartäler sind sehenswert!”, meint die Kräuterpädagogin abschließend.

Ramsgrubner See
Wanderung im Juni zum Naturjuwel Ramsgrubner See in Schmirn

Termine für den Kräuterkurs 2021:

  • Kurs 1: 27.05. – 29.05.2021 (Aufenthalt 26.05. – 30.05.2021)
  • Kurs 2: 03.06. – 05.06.2021 (Aufenthalt 02.06. – 06.06.2021)
  • Kurs 3: 02.09. – 04.09.2021 (Aufenthalt 01.09. – 05.09.2021)

Falls ich auch dein Interesse geweckt habe, hier geht es zur Anmeldung & Buchung des Kräuterkurses in Schmirn.
Ich werde auf alle Fälle einmal dabei sein, vielleicht sehen wir uns dort 🙂

Das Gartenteam freut sich über Unterstützung und die neuen Kräuterkurse!

Titelbild (c) Werner Kräutler

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