Von Bombenkrieg und Kulturdenkmal – Schloss Trautson Matrei

In den letzten zwei Wochen fanden auf Schloss Matrei Trautson archäologische Ausgrabungen der Universität Innsbruck statt, wobei viele spannende Erkenntnisse und Fundstücke zum Vorschein kamen. Das Ziel der archäologischen Sondagen ist, hier die Entwicklung der Burg vom 13. Jahrhundert bis 1945 unter der Einwirkung der Bombentreffer zu Kriegsende zu untersuchen. Am 30.07.2020 hatte man die tolle Möglichkeit, einen Einblick in die Arbeiten der Universität zu bekommen und außerdem die Fundstücke zu bestaunen.

Zwischen 14. Februar und 21. April 1945, haben amerikanische B-25 Bomber die Ortschaft Matrei am Brenner 9 Mal bombardiert. Die Hauptziele waren die Eisenbahn und die Burg Trautson. Die amerikanischen Bomber haben Burg Trautson, das um 1221 erbaut wurde, in den Apriltagen von 1945 fast vollkommen zerstört. Nur ein Gebäude blieb übrig – alles andere war Schutt und Asche. Mit den Untersuchungen konnten die Experten genau nachvollziehen, wo die Bomben aufgeschlagen haben und wie sich die Zerstörung auf die Burg auswirkte.

Übersicht der Bombentrichter nach der Bombardierung im April 1945

Die Experten der Uni Innsbruck unter der Leitung von Univ. Prof. Dr. Harald Stadler, Fachbereichsleiter für Mittelalter- und Neuzeitarchäologien, erklärten bei einer Führung die Vorgangsweise ihrer Arbeiten, die Ausgrabungsstätten sowie die Fundstücke aus verschiedenen Zeitepochen. Vom Bombensplitter über Kerzenhalter, schön ausgearbeitete Türscharniere, Kacheln der Kachelöfen und einen Löffel aus dem 19. Jahrhundert waren noch Mauerreste, Fenster- und Türöffnungen und weitere architektonisch interessante Dinge wie eine Eingangssäule der ehemaligen Kapelle oder mehrere Bodenplatten aus Ton zu sehen.

Präsentation von Fundstücken – Löffel, Porzellan und Schleifstein
Erklärungen durch das Team der Uni Innsbruck über die Fundstücke - hier: die Teile der Eingangssäule zur Burgkapelle
Erklärungen durch das Team der Uni Innsbruck über die Fundstücke – hier: die Teile der Eingangssäule zur Burgkapelle

Auch einige Freiwillige haben bei den Ausgrabungen geholfen und das Team der Uni war sogar zusätzlich am Wochenende unermüdlich bei der Arbeit, da hier so viele spannende Funde aus verschiedenen Zeitepochen zu machen sind. Das Projekt unter dem Namen “Operation Trautson Castle” (OTC) ist auf drei Jahre ausgelegt und umfasst tiefgreifende historische Recherchen zu Matrei und der Burg.

Das Team der Uni Innsbruck war voller Eifer bei den Ausgrabungen.
Das Team der Uni Innsbruck war voller Eifer bei den Ausgrabungen.
Alle Fundorte und Ausgrabungspunkte werden ganz genau vermessen.

Es ist schwer vorstellbar, dass hier, wo gerade gegraben wird, einst ein mehrstöckiges Wohngebäude mit Burgfried stand. Bei den Ausgrabungen wird sehr deutlich, wo sich welcher Bereich der Burg befand und wo z.B. ein Eingang oder ein Fenster war. Wer mehr über die Entstehung der Burg erfahren möchte, kann unseren Blog zum Schloss Matrei Trautson lesen. Im Zuge der Revitalisierung des Schlossareals durch den Verein Schloss Matrei Trautson werden wahrscheinlich einige Fundstücke restauriert und später dort zu sehen sein. Jetzt schon einen Besuch wert ist die neue Hängebrücke unterhalb des Schlossareals zwischen Pfons und Mühlbachl über die Sillschlucht.

Die Hängebrücke beim Schloss Matrei Trautson

Tipp: Machen Sie eine Wanderung durch Matrei nach Pfons, über die imposante Hängebrücke zum Schloss Matrei Trautson und wieder zurück nach Matrei. Zur Route in der interaktiven Karte: Hier klicken

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